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Original-Text "Geschichte" aus <www.europa-union.de>
Europa-Union Deutschland
- Bürgerbewegung für ein vereintes EuropaGeschichte der Europa-Union Deutschland
Im folgenden sollen Sie einen chronologischen Abriss über die
Entwicklung der Europäischen Föderalisten und der Europa-Union
Deutschland erhalten können. Wir haben mit der Hilfe des Internetportals
"europa-web" ( http://www.europa-web.de/europa/01lvkvjf/105bv/50_jahre_eud.htm)
den Anfang gemacht und laden Sie
ein, gemeinsam mit uns die Geschichte
der Europa-Union Deutschland zu schreiben. Ihre Beiträge (sehr gerne
auch mit Bildmaterial) sind herzlich willkommen unter:
webteam(at)europa-union.de.
Der Hintergrund
Der Gedanke, Europa zu vereinen, ist nicht neu. Schon vor 500 Jahren
hatte der niederländische Theologe und Philosoph Erasmus von Rotterdam
die Völker Europas zu einem Völkerbund aufgerufen. Und William Penn, der
Quäker, nach welchem der amerikanische Bundesstaat Pennsylvania benannt
wurde, beschwor 150 Jahre später die Staaten, eine Europäische
Bundesversammlung zu schaffen. Auch der große französische Dichter
Victor Hugo kündigte im Jahre 1851 die "Vereinigten Staaten von Europa"
an. Er erntete Hohn und Spott. Stattdessen war Europa dem Krieg stets
näher als dem Frieden.
Erst nach dem Schrecken zweier Weltkriege nahm man die Appelle ernst. In
seiner berühmten Züricher Rede vom 19. September 1946 sagte der damalige
britische Premierminister Winston Churchill: "Wenn Europa einmal
einträchtig sein gemeinsames Erbe verwalten würde, dann könnten seine
drei- oder vierhundert Millionen Einwohner ein Glück, einen Wohlstand
und einen Ruhm ohne Grenzen genießen. (...) Wir müssen eine Art
Vereinigter Staaten von Europa schaffen. (...) Der Weg dahin ist
einfach. Es ist nichts weiter dazu notwendig, als dass Hunderte von
Millionen Männer und Frauen Recht statt Unrecht tun und Segen statt
Fluch ernten." Der Vollständigkeit halber muss aber auch ein weiterer
Satz aus dieser Rede zitiert werden. Churchill fügte nämlich hinzu, dass
"Großbritannien, das Britische Commonwealth, das mächtige Amerika und -
wie ich hoffe - Sowjetrussland Freunde und Förderer des neuen Europa"
sein müssten. Großbritannien, so Churchill 1946, wollte zwar den
Zusammenschluss Europas fördern, aber vorerst selbst nicht daran
teilnehmen.
Unabhängig voneinander kamen viele Menschen in Europa zu der
Überzeugung, dass der Friede für künftige Generationen nur gewahrt
werden könne, wenn das Chaos der uneingeschränkt souveränen
Nationalstaaten überwunden wird. Die Staaten sollten sich zu einem
europäischen Bundesstaat zusammenschließen, der durch seinen föderalen
und demokratisch-parlamentarischen Aufbau zugleich unnötige
Machtkonzentration verhindert und die Eigenarten seiner Völker wie auch
ihre kulturelle Vielfalt erhält.
Erste Anfänge: Schweiz, Großbritannien, Italien, Frankreich
Die europäische Bewegung hat ihre Wurzeln in der Schweiz. Angeregt
durch den Paneuropa-Kongress Coudenhove-Kalergis, der im Oktober 1932 in
Basel stattfand, bildeten sich in verschiedenen Kantonen Gruppen, die
sich für eine föderale Einheit Europas einsetzten. Am 24. Juni 1934
wurde eine eigene "Europa-Union" gegründet.
Vier Jahre später, im August 1938, wurde in London die "Pax
Union" gegründet, die sich aber schon bald darauf "Federal Union"
nannte. Bereits 1940 hatte sie in Großbritannien mehr als 1000
Mitglieder, die sich aktiv für ein föderal strukturiertes Europa
einsetzten.
1941 verfassten auf der italienischen Verbannungsinsel
Ventotene die beiden Italiener Altiero Spinelli und Ernesto Rossi
ihr berühmt gewordenes Manifest von Ventotene, das vor allem in
europäischen Widerstandskreisen Verbreitung fand. Spinelli ist derselbe,
der als Abgeordneter des Europäischen Parlaments 1984 den "Entwurf eines
Vertrages zur Gründung der Europäischen Union" vorlegte. Gerade
Widerstandskreise waren es, die im Zweiten Weltkrieg den Gedanken eines
vereinten föderalistischen Europas in ihr Programm aufgenommen hatten.
In Frankreich gründete sich im Dezember 1941 eine Gruppe mit dem
Namen "Combat", die auch eine illegale Zeitung mit dem gleichen
Namen herausgab, in der als Ziel die Schaffung der Vereinigten Staaten
von Europa gefordert wurde.
Im Mai 1944 kam es in Genf zu einer Konferenz von
Widerstandskämpfern. Auf ihr wurde eine Deklaration zugunsten einer
europäischen Föderation verfasst, die gedanklich sehr stark von den
Ideen Altiero Spinellis und Ernesto Rossis beeinflusst war.
Anlässlich des Zusammenschlusses französischer Widerstandsgruppen im
Juni 1944 unter dem Namen "Comité Français pour la Fédération
Européenne" wurde eine Erklärung veröffentlicht, die auf die
Notwendigkeit einer europäischen Föderation hinwies.
Was während des Krieges noch vielfach im geheimen vor sich ging, konnte
nach dem Krieg öffentlich und verstärkt fortgeführt werden. So lud die
Schweizer "Europa-Union" im September 1946 die europäischen
Föderalisten zu einer Konferenz nach Hertenstein am Vierwaldstätter See
ein. Dort wurden zwölf Thesen verfasst, die als
"Hertensteiner Programm" zur Grundlage der europäischen Arbeit der
Nachkriegsjahre und zugleich zum politischen Gründungsdokument der
späteren Europa-Union Deutschland wurden. Zur gleichen Zeit hielt
Sir Winston Churchill in Zürich ebenfalls ein Plädoyer für ein geeintes
Europa. Der Hertensteiner Konferenz folgten noch zwei weitere in
Luxemburg und Basel, bis im Dezember 1946 in Paris die Union
Europäischer Föderalisten (UEF) gegründet werden konnte, wobei
Italiener, Franzosen und Niederländer besonders stark vertreten waren.
Europäischer Neubeginn in Deutschland
Auch die Deutschen hatten zu den UEF-Veranstaltungen Einladungen
bekommen, aber sie konnten nicht teilnehmen, weil sie in der ersten
Nachkriegszeit von den Besatzungsbehörden keine Reisegenehmigung
bekamen. Einzige Ausnahme waren einige im Schweizer Exil lebende
Deutsche. Unter ihnen Heinrich Ritzel, ehemaliger Abgeordneter im
Reichstag. Der gebürtige Franke war seit 1939 Zentralsekretär der
Schweizer "Europa-Union". Obwohl also die deutschen "Europäer" zunächst
nicht an den UEF-Konferenzen teilnehmen konnten, waren sie schon bald
nach dem Krieg aktiv. In zahlreichen Orten der westlichen
Besatzungszonen - insbesondere der britischen - wurden unter
verschiedenen Namen Gruppen gebildet, die sich alle die Einigung Europas
zum Ziel gesetzt hatten. Doch auch innerhalb der Besatzungszonen war es
nicht leicht zu reisen, und daher hatten diese Gruppen zunächst wenig
Kontakt untereinander.
Schließlich gelang es Heinrich Ritzel, über niederländische und
englische Teilnehmer am Hertensteiner Treffen mit Wilhelm Heile,
dem Landrat von Syke bei Bremen, Verbindung aufzunehmen. Heile hatte
schon in der Weimarer Zeit einen "Verband für europäische
Cooperation" gegründet. Zusammen mit dem Fabrikanten Wilhelm
Hermes aus Mönchengladbach brachte es Heile am 9. Dezember 1946
zum Zusammenschluss der wichtigsten örtlichen Europa-Gruppen. In
Anlehnung an die schweizerische "Europa-Union" hatte der Gast aus der
Schweiz, Heinrich Ritzel, auch für die deutschen "Europäer" den Namen
"Europa-Union" vorgeschlagen. Heile wurde erster Vorsitzender und
Hermes Geschäftsführer mit einem Sekretariat in Mönchengladbach.
Erste Kundgebungen gab es in Duisburg, Köln, Kiel und Lübeck. In der
sowjetischen Besatzungszone jedoch wurden alle Aktivitäten der
Europa-Union und anderer Europa-Verbände verboten. Der erste Kongress
der Europa-Union fand im Juni 1947 in Eutin statt, an dem bereits 200
Delegierte von 50 Bezirksgruppen teilnahmen.
Im November 1947, nachdem sich weitere föderalistische Gruppen in
Deutschland der Europa-Union Deutschland angeschlossen hatten, wurde die
Europa-Union Mitglied der UEF. Sie ist damit die deutsche Sektion
der Union Europäischer Föderalisten.
Unter dem Vorsitz von Winston Churchill wurde im Mai 1948 in Den
Haag ein Europa-Kongress einberufen, an dem mehr als 700
Politiker aus westeuropäischen Ländern teilnahmen. Er wurde maßgeblich
von der UEF vorbereitet. Wichtigstes Ergebnis dieses Kongresses war zum
einen die Gründung des Europarats, dem heute 40 Staaten als
Mitglieder angehören, und zum anderen die Gründung des European
Movements. In Wiesbaden wurde 1949 der Deutsche Rat der
Europäischen Bewegung, die heutige Europäische Bewegung Deutschland,
gegründet, der auch die Europa-Union angehört.
Nach dem Europa-Union Kongress von Eutin fand im Mai 1949 der 1.
Ordentliche Kongress der Europa-Union in Hamburg statt. Auf diesem
Kongress wurde der Publizist Eugen Kogon als Präsident der
Europa-Union gewählt. Seine Nachfolger waren der Publizist Ernst
Friedländer (1954-1957), der Bankier Friedrich Carl Freiherr von
Oppenheim (1957-1973), der Journalist Theo M. Loch
(1973-1980), der Altbundespräsident Walter Scheel (1980-1989),
der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Dr. Egon A.
Klepsch (1989-1997) und der Europaabgeordnete Prof. Dr. Hans-Gert
Pöttering (1997-1999). Seit 1999 übt Elmar Brok MdEP das
Amt des Präsidenten der Europa-Union Deutschland aus.
Ab 2008 Dr. Altmeier.
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