Flexicurity

work3Mit Flexicurity soll die Flexibilität, gleichzeitig aber auch die Sicherheit auf dem europäischen Arbeitsmarkt gestärkt werden. Arbeitgeber sollen die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an flexiblen Arbeitskräften abzudecken. Trotzdem soll aber der Arbeitnehmer einen sicheren Arbeitsplatz bekommen und keine lange Arbeitslosigkeit fürchten.

Die Kompromissformel für den Arbeitsmarkt
Wie schon eh und je haben natürlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterschiedliche Interessen auf dem Arbeitsmarkt. So möchten Arbeitgeber, dass der Kündigungsschutz gelockert wird. Arbeitnehmer aber sind vor allem an der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes interessiert. Hier heißt es einen Kompromiss zu finden. Genau den soll Flexicurity bringen.

Ursprünglich wurde der Begriff vom niederländischen Soziologen Hans Adriaansens geprägt. Ton Wilthagen erarbeitete dann ein entsprechendes Konzept aus und die niederländische Regierung setzte daraufhin 1999 dieses in ein Gesetz um. Dieses verringerte zwar den Kündigungsschutz, stärkte aber zugleich auch die Vorschriften in Zeitarbeitsverträgen, zum Schutz der Arbeitnehmer.

Vorbilder Niederlande und Dänemark

Modell für Flexicurity waren die Reformen auf dem Arbeitsmarkt in den Niederlanden und auf in Dänemark. Denn dort wurden in den 90er Jahren Kündigungen für den Arbeitgeber leichter gemacht. Zugleich aber, bekamen Arbeitslose eine höhere Unterstützung für kurze Zeit und es wurden intensivere Maßnahmen ergriffen, Arbeitslose schnell wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Hier griffen also sowohl eine passive als auch eine aktive Arbeitsmarktpolitik.

Baustein des europäischen Sozialmodells
Im Dezember 2000 wurde vom Europäischen Rat in Nizza die europäische Sozialagenda beschlossen. Dieses beinhaltete auch Flexicurity als work2einen Baustein für das europäische Sozialmodell. Auch wurde Flexicurity ein wesentlicher Bestandteil des Lissabon-Prozesses.

So wurden dann anschließend von der Europäischen Union Grundsätze dazu erlassen. Hierbei wurde allerdings auf die unterschiedlichen nationalen Kulturen aller Mitgliedstaaten Rücksicht genommen. Diese Grundsätze sind im Dokument COM (2007) 359 final niedergelegt und wurde am 27. Juni 2007 so angenommen.

Zielsetzung, so wurde es deklariert, seien zum einem, schnelle und effiziente Karriereübergänge von Beschäftigten zwischen verschiedenen beruflichen Kompetenz- und Lebensbereichen möglich zu machen. Zum Anderen soll er aber auch die dazu notwendige Kompetenz bekommen.
In der Europa 2020-Strategie der Europäischen Kommission soll die Flexicurity noch weiter ausgebaut und als Maßnahme auf dem Arbeitsmarkt gefestigt werden.

Gemeinsame Flexicurity-Prinzipien
Die EU hat gemeinsam mit den einzelnen Mitgliedstaaten und der Wissenschaft daran gearbeitet, für alle Möglichkeiten zu schaffen, bestimmte Prinzipien der Flexicurity umzusetzen. Dazu wurden wir vier Komponenten benannt, die bei der Umsetzung der Prinzipien helfen sollten.
So sollen die Länder für umfassende Fortbildungsmöglichkeiten sorgen, um ein lebenslanges Lernen möglich zu machen.
Es sollen zuverlässige und anpassbare Vereinbarungen vertraglich festgehalten werden.
Außerdem sei es nötig, als Komponenten auch aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen ins Leben zu rufen und diese auch wirksam werden zu lassen.

Als letzte Komponente wurde moderne Sozialversicherungssysteme im Programm festgehalten.

Schlussfolgerungen des Rates zu gemeinsamen Grundsätzen
Es gibt eine Mitteilung der Kommission betreffend der gemeinsamen Grundsätze für den Flexicurity – Ansatz. Dazu gibt es dann auch die entsprechenden Schlussfolgerungen des Rates zu diesem Thema vom November 2007.

Darin heißt es, Flexicurity dient der Unterstützung der europäischen Beschäftigungsstrategie. Es ist ein wichtiger Aspekt der Leitlinien zur Beschäftigungspolitik und der Beschäftigungsstrategie insgesamt. Flexicurity soll die Modernisierung der Arbeitsmärkte vorantreiben, damit das Ziel der Strategie Europa 2020 erreicht wird. Dieses ist nämlich eine Beschäftigungsrate von mindestens 75 Prozent erreichen zu können.

work1Erreicht werden soll das Ziel durch die erfolgreiche Umsetzung und Stärkung der Flexicurity-Komponenten.
Diese beinhalten insbesondere auch die Verbesserung der Arbeitsplatzqualität und der Arbeitsbedingungen. Auch soll in die Unterstützung der Beschaffung eines Arbeitsplatzes intensiviert werden. Junge Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zu absolvieren und neue Fertigkeiten und Erfahrungen zu erlangen. Entsprechend der Komponenten sollen Unternehmen umstrukturiert werden und ihnen soll bei der Vorbereitung und Bewältigung dieses Unterfangens geholfen werden. Öffentliche Arbeitsverwaltungen sollten verstärkt bei der Jobsuche helfen, Laufbahnen besser analysieren und Erfahrungen gestärkt werden.

EU-Vertreter gründeten die Flexicurity-Mission und besuchten in deren Rahmen gemeinsam mit Sozialpartner alle EU-Länder. Dabei wurde besprochen, wie sich die Maßnahmen der Flexicurity national am besten umsetzen lassen.

Diese Durchsetzung ist so wichtig, da auch wirtschaftlich gesehen eine ausreichende Arbeitsplatzsicherheit sehr wichtig ist. Haben Arbeitnehmer Angst um ihren Arbeitsplatz oder ist die Arbeitslosenquote zu hoch, so ist mit geringeren Investitionen zu rechnen. Dies wiederum würde sich entsprechend negativ auf die Wirtschaft des Landes auswirken.