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Der Hintergrund
Der Gedanke, Europa zu vereinen, ist nicht neu. Schon vor 500 Jahren
hatte der niederländische Theologe und Philosoph
Erasmus von Rotterdam die Völker Europas zu einem
Völkerbund aufgerufen. Und William Penn, der Quäker,
nach welchem der amerikanische Bundesstaat
Pennsylvania benannt wurde, beschwor 150 Jahre
später die Staaten, eine Europäische
Bundesversammlung zu schaffen. Auch der große
französische Dichter Victor Hugo kündigte im Jahre
1851 die "Vereinigten Staaten von Europa" an. Er
erntete Hohn und Spott. Stattdessen war Europa dem
Krieg stets näher als dem Frieden.
Erst nach dem Schrecken zweier Weltkriege nahm man
die Appelle ernst. In seiner berühmten Züricher Rede
vom 19. September 1946 sagte der damalige britische
Premierminister Winston Churchill: "Wenn Europa
einmal einträchtig sein gemeinsames Erbe verwalten
würde, dann könnten seine drei- oder vierhundert
Millionen Einwohner ein Glück, einen Wohlstand und
einen Ruhm ohne Grenzen genießen. (...) Wir müssen
eine Art Vereinigter Staaten von Europa schaffen.
(...) Der Weg dahin ist einfach. Es ist nichts
weiter dazu notwendig, als dass Hunderte von
Millionen Männer und Frauen Recht statt Unrecht tun
und Segen statt Fluch ernten." Der Vollständigkeit
halber muss aber auch ein weiterer Satz aus dieser
Rede zitiert werden. Churchill fügte nämlich hinzu,
dass "Großbritannien, das Britische Commonwealth,
das mächtige Amerika und - wie ich hoffe -
Sowjetrussland Freunde und Förderer des neuen
Europa" sein müssten. Großbritannien, so Churchill
1946, wollte zwar den Zusammenschluss Europas
fördern, aber vorerst selbst nicht daran teilnehmen.
Unabhängig voneinander kamen viele Menschen in
Europa zu der Überzeugung, dass der Friede für
künftige Generationen nur gewahrt werden könne, wenn
das Chaos der uneingeschränkt souveränen
Nationalstaaten überwunden wird. Die Staaten sollten
sich zu einem europäischen Bundesstaat
zusammenschließen, der durch seinen föderalen und
demokratisch-parlamentarischen Aufbau zugleich
unnötige Machtkonzentration verhindert und die
Eigenarten seiner Völker wie auch ihre kulturelle
Vielfalt erhält.
Erste Anfänge: Schweiz, Großbritannien, Italien,
Frankreich Die europäische Bewegung hat ihre Wurzeln in der Schweiz. Angeregt
durch den Paneuropa-Kongress Coudenhove-Kalergis,
der im Oktober 1932 in Basel stattfand, bildeten
sich in verschiedenen Kantonen Gruppen, die sich für
eine föderale Einheit Europas einsetzten. Am 24.
Juni 1934 wurde eine eigene "Europa-Union"
gegründet.
Vier Jahre später, im August 1938, wurde in
London die "Pax Union" gegründet, die sich
aber schon bald darauf "Federal Union"
nannte. Bereits 1940 hatte sie in Großbritannien
mehr als 1000 Mitglieder, die sich aktiv für ein
föderal strukturiertes Europa einsetzten.
1941 verfassten auf der italienischen
Verbannungsinsel Ventotene die beiden
Italiener Altiero Spinelli und Ernesto Rossi ihr
berühmt gewordenes Manifest von Ventotene, das vor
allem in europäischen Widerstandskreisen Verbreitung
fand. Spinelli ist derselbe, der als Abgeordneter
des Europäischen Parlaments 1984 den "Entwurf eines
Vertrages zur Gründung der Europäischen Union"
vorlegte. Gerade Widerstandskreise waren es, die im
Zweiten Weltkrieg den Gedanken eines vereinten
föderalistischen Europas in ihr Programm aufgenommen
hatten.
In Frankreich gründete sich im Dezember 1941
eine Gruppe mit dem Namen "Combat", die auch
eine illegale Zeitung mit dem gleichen Namen
herausgab, in der als Ziel die Schaffung der
Vereinigten Staaten von Europa gefordert wurde.
Im Mai 1944 kam es in Genf zu einer Konferenz
von Widerstandskämpfern. Auf ihr wurde eine
Deklaration zugunsten einer europäischen Föderation
verfasst, die gedanklich sehr stark von den
Ideen Altiero Spinellis und Ernesto Rossis
beeinflusst war.
Anlässlich des Zusammenschlusses französischer
Widerstandsgruppen im Juni 1944 unter dem
Namen "Comité Français pour la Fédération
Européenne" wurde eine Erklärung veröffentlicht,
die auf die Notwendigkeit einer europäischen
Föderation hinwies.
Was während des Krieges noch vielfach im geheimen
vor sich ging, konnte nach dem Krieg öffentlich und
verstärkt fortgeführt werden. So lud die Schweizer
"Europa-Union" im September 1946 die
europäischen Föderalisten zu einer Konferenz nach
Hertenstein am Vierwaldstätter See ein. Dort wurden
zwölf Thesen verfasst, die als
"Hertensteiner Programm" zur Grundlage der
europäischen Arbeit der Nachkriegsjahre und zugleich
zum politischen Gründungsdokument der späteren
Europa-Union Deutschland wurden. Zur gleichen
Zeit hielt Sir Winston Churchill in Zürich ebenfalls
ein Plädoyer für ein geeintes Europa. Der
Hertensteiner Konferenz folgten noch zwei weitere in
Luxemburg und Basel, bis im Dezember 1946 in
Paris die Union Europäischer Föderalisten (UEF)
gegründet werden konnte, wobei Italiener, Franzosen
und Niederländer besonders stark vertreten waren.
Europäischer Neubeginn in Deutschland
Auch die Deutschen hatten zu den UEF-Veranstaltungen Einladungen
bekommen, aber sie konnten nicht teilnehmen, weil
sie in der ersten Nachkriegszeit von den
Besatzungsbehörden keine Reisegenehmigung bekamen.
Einzige Ausnahme waren einige im Schweizer Exil
lebende Deutsche. Unter ihnen Heinrich Ritzel,
ehemaliger Abgeordneter im Reichstag. Der gebürtige
Franke war seit 1939 Zentralsekretär der Schweizer
"Europa-Union". Obwohl also die deutschen "Europäer"
zunächst nicht an den UEF-Konferenzen teilnehmen
konnten, waren sie schon bald nach dem Krieg aktiv.
In zahlreichen Orten der westlichen Besatzungszonen
- insbesondere der britischen - wurden unter
verschiedenen Namen Gruppen gebildet, die sich alle
die Einigung Europas zum Ziel gesetzt hatten. Doch
auch innerhalb der Besatzungszonen war es nicht
leicht zu reisen, und daher hatten diese Gruppen
zunächst wenig Kontakt untereinander.
Schließlich gelang es Heinrich Ritzel, über
niederländische und englische Teilnehmer am
Hertensteiner Treffen mit Wilhelm Heile, dem
Landrat von Syke bei Bremen, Verbindung aufzunehmen.
Heile hatte schon in der Weimarer Zeit einen
"Verband für europäische Cooperation" gegründet.
Zusammen mit dem Fabrikanten Wilhelm Hermes
aus Mönchengladbach brachte es Heile am 9.
Dezember 1946 zum Zusammenschluss der
wichtigsten örtlichen Europa-Gruppen. In Anlehnung
an die schweizerische "Europa-Union" hatte der Gast
aus der Schweiz, Heinrich Ritzel, auch für die
deutschen "Europäer" den Namen "Europa-Union"
vorgeschlagen. Heile wurde erster Vorsitzender und
Hermes Geschäftsführer mit einem Sekretariat in
Mönchengladbach.
Erste Kundgebungen gab es in Duisburg, Köln, Kiel
und Lübeck. In der sowjetischen Besatzungszone
jedoch wurden alle Aktivitäten der Europa-Union und
anderer Europa-Verbände verboten. Der erste Kongress
der Europa-Union fand im Juni 1947 in Eutin statt,
an dem bereits 200 Delegierte von 50 Bezirksgruppen
teilnahmen.
Im November 1947, nachdem sich weitere
föderalistische Gruppen in Deutschland der
Europa-Union Deutschland angeschlossen hatten, wurde
die Europa-Union Mitglied der UEF. Sie ist
damit die deutsche Sektion der Union Europäischer
Föderalisten.
Unter dem Vorsitz von Winston Churchill wurde im
Mai 1948 in Den Haag ein Europa-Kongress
einberufen, an dem mehr als 700 Politiker aus
westeuropäischen Ländern teilnahmen. Er wurde
maßgeblich von der UEF vorbereitet. Wichtigstes
Ergebnis dieses Kongresses war zum einen die
Gründung des Europarats, dem heute 40 Staaten
als Mitglieder angehören, und zum anderen die
Gründung des European Movements. In Wiesbaden
wurde 1949 der Deutsche Rat der Europäischen
Bewegung, die heutige Europäische Bewegung
Deutschland, gegründet, der auch die
Europa-Union angehört.
Nach dem Europa-Union Kongress von Eutin fand im Mai
1949 der 1. Ordentliche Kongress der Europa-Union in
Hamburg statt. Auf diesem Kongress wurde der
Publizist Eugen Kogon als Präsident der
Europa-Union gewählt. Seine Nachfolger waren der
Publizist Ernst Friedländer (1954-1957), der
Bankier Friedrich Carl Freiherr von Oppenheim
(1957-1973), der Journalist Theo M. Loch
(1973-1980), der Altbundespräsident Walter Scheel
(1980-1989), der ehemalige Präsident des
Europäischen Parlaments, Dr. Egon A. Klepsch
(1989-1997) und der Europaabgeordnete Prof. Dr.
Hans-Gert Pöttering (1997-1999).
Seit 1999
übt Elmar Brok MdEP das Amt des Präsidenten
der Europa-Union Deutschland aus.
Der vorliegende Text wurde der Homepage
des Europa-Union Deutschland Bundesverbandes entnommen
http://www.europa-union.de
Zwei Berichte über die Gründungen des
Landesverbandes und der Kreisverbände in Thüringen nach der
Wende 1989/1990 finden Sie auf diesen Seiten
unter
Thüringen
- Jahresbericht 1991 und
Thüringen - Jahresbereicht 1992
In Berlin unter dem Viermächtestatus war
die Gründung irgendeines europäischen Verbandes durch Veto
der Sowjetischen Militärregierung untersagt. Alle
Gruppierungen hatten sich der Freien Deutschen JUgend zu unterstellen.
Generalsekretär der FDJ war damals Erich Honecker. Das galt
auch für den gesamten Bereich der sowjetischen
Besatzungszone.
1946 nannte ein Kreis von 30
Schülern und Studenten in Berlin im Bezirk
Zehlendorf ihre erste Gruppe -
anstatt Europäische Jugend - "Der Ring". Sie wurden
schliesslich als "Bund deutscher Jugend" lizenziert
und durch eine "Antifaschistischen Fördererkreis"
gegen die FDJ abgeschirmt. NKWD, CIA und CIC
beobachteten die Aktivitäten.
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